GRS PRO Textil begrüßt Eckpunktepapier zur EPR für Textilien: Wichtiger Schritt, aber entscheidende Fragen noch offen

GRS PRO Textil begrüßt die Veröffentlichung des Eckpunktepapiers zur Einführung der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien durch das Bundesumweltministerium. Das Papier setzt einen wichtigen Impuls für die dringend notwendige Stabilisierung und Weiterentwicklung der textilen Kreislaufwirtschaft in Deutschland. „Dass nun ein erster politischer Rahmen vorliegt, ist ein entscheidender Schritt. Die Branche braucht Klarheit und Verlässlichkeit – beides liefert das Eckpunktepapier in seinen Grundzügen“, sagt GRS PRO-Geschäftsführerin Dr.-Ing. Julia Hobohm und fügt an, dass jetzt im nächsten Schritt vieles konkretisiert werden muss.

Richtige Richtung: Orientierung an EU-Vorgaben und bestehenden Systemen

Positiv bewertet GRS PRO Textil insbesondere die klare Orientierung an der EU-Abfallrahmenrichtlinie sowie an bewährten nationalen EPR-Systemen, etwa im Batterie- oder Elektronikbereich. „Es ist richtig, auf bestehenden Systemen und gemachten Erfahrungen aufzubauen, statt von Grund auf neue Strukturen zu entwickeln. Das spart Zeit, vermeidet Komplexität und erhöht die Umsetzbarkeit,“ ordnet Dr.-Ing. Julia Hobohm ein. Auch die Entscheidung, keine zusätzlichen nationalen Anforderungen über die europäischen Vorgaben hinaus einzuführen wird ausdrücklich begrüßt.

 

Ambitionierte Ziele – aber noch nicht trennscharf genug

Kritisch sieht GRS PRO Textil die derzeitige Ausgestaltung der Zielquoten. Die vorgesehene Verwertungsquote von 95 % wirkt ambitioniert, bleibt jedoch unscharf, da zentrale Begriffe wie „sonstige Verwertung“ nicht definiert sind. „Eine Quote ist nur so gut wie ihre Definition. Ohne klare Abgrenzung verliert sie ihre Steuerungswirkung, “ lautet der klare Hinweis von GRS PRO Textil-Projektleiterin Lea Kirstein. Auch die Recyclingquote überzeugt in ihrer aktuellen Form nicht vollständig: Die Zusammenfassung von Vorbereitung zur Wiederverwendung und Recycling verwischt wichtige Unterschiede. „Wenn Wiederverwendung und Recycling in einer Quote zusammenfallen, fehlt die Grundlage für die gezielte Steuerung und Vergleichbarkeit – insbesondere auf europäischer Ebene,“ sagt Lea Kirstein.

 

Sammelquoten: solide Basis, aber wenig Anreiz für Weiterentwicklung

Die geplante Sammelquote von 70 % bewertet GRS PRO Textil als realistisch – allerdings nicht als ausreichend ambitioniert für die kommenden Jahre. „Wir bewegen uns heute bereits bei rund 65 %. Das zeigt: Die Zielmarke ist erreichbar – aber sie setzt kaum zusätzliche Impulse,“ schätzt Lea Kirstein ein. Internationale Beispiele, etwa aus den Niederlanden, zeigen, dass gestaffelte oder dynamische Quoten wirksame Anreize schaffen können. Auch flexible Mechanismen für leistungsstarke Systeme könnten zusätzliche Sammelleistungen fördern.

 

Potenziale jenseits des klassischen Marktes nutzen

Aus Sicht von GRS PRO Textil greift das Eckpunktepapier in seiner jetzigen Form noch zu kurz, was angrenzende Marktsegmente betrifft. Bereiche wie Berufsbekleidung, Textilien aus Hotellerie und Gesundheitswesen, textile Leasingmodelle, industrielle B2B-Ströme, etc. bieten erhebliche Potenziale für Kreislaufwirtschaft und Innovation. „Diese Bereiche sind oft besser steuerbar, qualitativ hochwertiger und damit echte Hebel für funktionierende Kreisläufe. Hier sollte das System gezielt Anreize setzen,“ fordert Lea Kirstein in Namen von GRS PRO Textil.

 

Ökomodulation und Herstellerrolle noch nicht ausreichend konkretisiert

Die vorgesehene Ökomodulation wird von GRS PRO Textil grundsätzlich als zentrales Instrument bewertet – konkrete Ausgestaltungen fehlen jedoch bislang. Die Ökomodulation entscheide am Ende darüber, ob nachhaltiges Produktdesign tatsächlich belohnt wird. Hier brauche es klare, praktikable Kriterien, so die Position von GRS PRO. Auch die Rolle der Hersteller im zukünftigen System bleibt aus Sicht von GRS PRO Textil noch zu unklar. Zwar ist die Einbindung über eine Kommission vorgesehen, offen bleibt jedoch, wie Hersteller als zentrale Akteure auch gestalterisch und steuernd eingebunden werden.

 

Jetzt die richtigen Weichen stellen

GRS PRO Textil sieht in dem vorgelegten Eckpunktepapier eine wichtige Grundlage und gleichzeitig einen klaren Arbeitsauftrag für die nächsten Schritte. „Die Richtung stimmt. Jetzt kommt es darauf an, die Details so auszugestalten, dass ein wirksames, transparentes und zukunfts- fähiges System entsteht,“ bilanziert Dr.-Ing. Julia Hobohm. GRS PRO Textil wird sich weiterhin aktiv in den politischen Prozess einbringen und die Entwicklung eines leistungsfähigen EPR-Systems für Textilien aktiv begleiten.
 

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